dahlemer
verlagsanstalt

Eva Reichmann
Schönheitskorrekturen
Roman



ISBN 978-3-928832-22-9
Paperback, 312 Seiten, € 19,-



Richard Altinger, Sonderermittler aus Wien, der schon im »Kalter Grund«, dem ersten Kriminalroman von Eva Reichmann, eine Rolle gespielt hatte, ermittelt in Bielefeld. Grund für diese grenzüberschreitende Arbeit ist ein österreichisches Ehepaar, das seinen Wohnsitz nach Ostwestfalen verlegt hatte und während des Urlaubs in Südafrika verschwunden ist. So, wie im »Kalten Grund« Luther Chagall Schwierigkeiten mit der österreichischen Mentalität hatte, so geht es nun Altinger in Bielefeld: Er fühlt sich fremd und sieht den norddeutschen Alltag mit Verwunderung - gelegentlich mit Bestürzung. Dieser fremde Blick lässt den Leser Gewohntes neu sehen, einen klareren Blick auf Altvertrautes bekommen und Zusammenhänge, die zuvor wenig wichtig schienen, neu entdecken. Das ist nur die eine Seite des Buches. Wenn zum Schluss die Kriminalkommissare Wolf Mendelsohn aus dem Sauerland und Kurt Godejohann aus Bielefeld mit Georg Krallinger, einem Postenkommandanten aus Fuschl im österreichischen Salzkammergut, zusammensitzen und gemeinsam den Fall lösen - das hat es in der Literatur so noch nie gegeben! Dieses Buch nimmt zum einen Themen und Personen des ersten Romans wieder auf, steht in Bezug auf Engagement und Spannung dem ersten Kriminalroman von Eva Reichmann in nichts nach.

Leseprobe...


Nationen neigen dazu , sich voneinander abzugrenzen. Je minimaler die kulturelle Differenz, desto größer scheint das Bedürfnis danach. Entsprechend üppig wuchert dann das Gestrüpp der Klischees und gegenseitigen Ressentiments. Wenn das eine Land noch dazu deutlich kleiner ist als das andere, wird ’s tragisch.
Oder komisch. Wie in Eva Reichmanns Kriminalroman »Schönheitskorrekturen«, aus dem die österreichische Autorin auf Einladung des Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) der Universität Bielefeld einmal mehr auf sehr unterhaltsame Weise vorzutragen verstand. Ihr zweiter Krimi, dem in allernächster Zeit ein dritter folgen wird, lebt zu einigen Teilen von den Problemen der Völkerverständigung, die Reichmann im bilateralen Aufeinandertreffen ihrer Kommissare überwiegend heiter zu verhandeln weiß.
Eine etwas bizarre Fantasie entwickelt sie bei der Ausgestaltung verschiedener Todesarten. Wie anders ließe sich sonst das künstliche Hüftgelenk im Verdauungstrakt eines Scakals erklären? Oder ist am Ende doch etwas dran an der Nekrophilie, die man den österreichern nachsagt? Reichmanns gern räsonierender, 70-jähriger Ermittlungsberater Penka hätte für solch billige Unterstellung nur Verachtung übrig. Seine ausschweifenden Reflektionen über deutsch-österreichische Befindlichkeiten sind ebenso subtil wie gehässig und kommen erst durch die Art, wie Eva Reichmann sie vorliest, zu voller Blüte. Wunderbar, wie sie Penka mit Erika Pluharscher Nasallautdehnung damit hadern lässt, dass Deutschland noch immer jeden österreicher für sich vereinnahmt hat, der einigermaßen erfolgreich war: Handke und Musil und Mozart und Udo Jürgens und Peter Alexander und überhaupt. Penka, über die Gründe sinnierend, warum sich sein Heimatland die Wilderei gefallen lässt, kommt am Ende zu dem schönen Resümee: »Entweder ist es stille Größe oder wir sind einfach zu blöd!«

Antje Dossmann in der Neuen Westfälischen vom 30.10.2008


Eva Reichmann ist Österreicherin, die es wegen Liebe und Arbeit nach Bielefeld verschlagen hat. Dort läßt sie auch einen Teil ihres zweitens Romans Schönheitskorrekturen spielen. Schon um sich köstlich darüber zu beschweren, was dort als Kaffee oder Mettbrötchen durchgeht. Ansonsten gibt es einen internationalen Fall, der von einem toten Ehepaar in Südafrika über Wien bis ins Sauerland führt. Und über einen nahe an der Realität erfundenen Bauskandal zurück zur jüdischen Geschichte Bielefelds in den 30er Jahren. Unter den historischen und kulinarischen Nebenhandlungen gehen mehrere Leichen ein bisschen verloren, aber die knorrigen Kommissare aus Wien und Bielefeld halten mit ihrem gegenseitigen Unverständnis das Buch am Leben.

aus ULTIMO auf draht, Westfalens virtuelle Stadtillustrierte Bielefeld / Münster Die kleine Krimirundschau, 29. Lieferung


Verschwundene Urlauber
von Ingeborg Sperl
Wenn in einem verendeten Schakal ein künstliches Hüftgelenk gefunden wird, dann ist für jemanden die Safari schief gelaufen. Der metallische Gegenstand ist der einzige überrest eines österreichischen Urlaubers, der bei einem Südafrika-Urlaub verschwunden ist. Wenn eine Rundumerneuerung in einer Beauty-Farm mit dem Tod der Patientin endet, scheint der Arzt gepfuscht zu haben. Allein, es zeigt sich, dass die Dame einem Mordanschlag zu Opfer gefallen ist. Eva Reichmann, in Salzburg geboren, und in Bielefeld lebend, beweist bei der Wahl ihrer Todesarten Fantasie. Wie die geografisch weit auseinander liegenden Kalamitäten zusammenhängen, findet der Ermittler Richard Altinger nach abwechslungsreichen Fährnissen heraus.
Schönheitskorrekturen (…) ist eine originelle Produktion für Urlauber mit Nah- und Fernzielen.

Der Standard, Album, A 7 vom 5. August 2006


Das Ehepaar Burgstaller macht in Südafrika Urlaub, fahren mit dem Mietwagen umher und machen unter anderem auch im Hotel Winkler in Nelspruit Station. Von dort möchten sie in die Bongani-Lodge weiterreisen - eine sehr exklusive Anlage, die stärker bewacht wird als das Fort Knox, und für die man eigens ausgestellte Papiere braucht. Dann verschwinden die Burgstallers spurlos. Ihr ausgebrannter Wagen wird in der Nähe von Johannisburg gefunden. Da die Burgstallers gebürtige österreicher waren, wird der Sonderermittler Richard Altinger aus Wien eingeschaltet. In Südafrika angekommen findet Altinger schnell heraus, dass ein anderes Ehepaar mit den Papieren der Burgstallers in der Bongani-Lodge eingecheckt hat. Einzige Fehler: Dieses Ehepaar hatte keinerlei ähnlichkeit mit dem Ehepaar Burgstaller, und war vorher im Hotel Winkler als Ehepaar Maier gemeldet. Außerdem hat genau zu diesem Zeitpunkt in der Bongani-Lodge ein Stammkunde namens Elias Roth aus Kapstadt angeblich Selbstmord begangen. Dann finden Wildhüter einen toten Schakal, in dessen Mageninhalt sie ein künstliches Hüftgelenk entdecken. Ein Hüftgelenk, wie es Frau Burgstaller hatte …
Zur selben Zeit beschließt Amelia Guldenberg, eine nicht mehr taufrische Dame mit reichem belgischen Ehemann und einer ausgewachsenen Faltenphobie, eine weitere Schönheitsoperation vornehmen zu lassen, und zwar gleich einige Eingriffe auf einmal, weil das billiger ist. Als sie in der Klinik im Sauerland nicht mehr aus der Narkose erwacht, gehen die ärzte zunächst von postoperativen Komplikationen aus. Doch bei einer genauen Untersuchung stellt sich heraus, dass Amelia Guldenburg mittels einer Luftspritze ermordet wurde. Das ruft den Kriminalbeamten Wolf Mendelsohn auf den Plan …
Zur gleichen Zeit fährt Amelia Guldenbergs Tochter Magdalena Guldenberg nach österreich zum Drachenfliegen. Bei einem Flug wird sie von einem unbekannten Schützen in der Nähe von Fuschl abgeschossen und stirbt. Das ruft den österreichischen Postenkommandanten Georg Krallinger auf den Plan …
In Bielefeld bricht auf der Straße ein Mann unter verdächtigen Umständen tot zusammen. Die Ermittlungen ergeben, dass der Mann einen Einbruch im Hause des Bauunternehmers Tönsmeise verübt hat, und durch den Verzehr eines vergifteten Stücks Mohntorte gestorben ist. Diesen Fall übernimmt Kurt Godejohann, Hauptkommissar im Oberzentrum Ostwestfalen-Lippe ...
Altinger, der dem angeblichen Selbstmord misstraut, besucht in Kapstadt den Sohn des verstorbenen Elias Roth und findet heraus, dass dieser Elias eine Zwillingsschwester namens Amelia Guldenberg hat. Seine Nachforschungen ergeben, dass diese Schwester ermordet wurde, ebenso die Tochter. Und dass es keine vollständigen Unterlagen über die Herkunft der Geschwister Roth gibt, die angeblich während des 2. Weltkriegs aus England per Schiff nach Kapstadt zur Adoption gebracht wurden. Krallinger findet heraus, dass die Mutter seiner Toten ermordet wurde, Mendelsohn stellt fest, dass die Tochter seiner Toten ermordet wurde, und Godejohann geht davon aus, dass sein Toter die tödliche Mohntorte nur im Hause des bestohlenen Tönsmeise gegessen haben konnte ... Und jeder stellt fest, dass sein Fall irgendwie mit allen anderen zu tun hat …
Irgendwann treffen sich alle Ermittler in Bielefeld, und in dieser eher unscheinbaren Kleinstadt tut sich den erfahrenen Kriminalern ein wahrer Abgrund an Bösartigkeit, Lug und Trug, und Mord und Totschlag auf.
Was sich wie ein Krimi mit unheimlich vielen und unheimlich verwirrenden Handlungssträngen anfühlt, ist ein Krimi mit unheimlich vielen und unheimlich verwirrenden Handlungssträngen. Es ist dem schriftstellerischen Geschick der Autorin zuzuschreiben, dass zum einen die diversen Schauplätze durch ihre jeweils trefflich beschriebenen "Kriminaler" leicht auseinander zu halten sind. Und dass zum anderen die vielschichtige Handlung so ungemein spannend bleibt, dass man am liebsten das ganze Buch auf einmal durchlesen möchte.

Julia Edenhofer unter www.literturkritiken.de


Bielefeld ist eigentlich ganz schön
Eva Reichmann legt ihren zweiten Krimi vor
von Anke Groenewold
Eva Reichmanns zweiter Krimi ist gerade frisch aus der Druckerei. Der Titel: »Schönheitskorrekturen«. Am heutigen Dienstag wird er erstmals dem Publikum vorgestellt. Die gebürtige österreicherin Eva Reichmann verschlug es nach 1980 nach Bielefeld. Sie studierte an der hiesigen Universität und promovierte über Johann Nestroy. Im Hauptberuf arbeitet sie zurzeit an der Bielefelder Universität im Bereich »Berufsorientierung und Schlüsselkompetenzen«.
Wie schon ihr Erstling, der Politthriller »Kalter Grund«, ist auch der 312 Seiten starke Nachfolger »Schönheitskorrekturen« in der dahlemer verlagsanstalt erschienen. Der Krimi beginnt in Südafrika, wo ein ostwestfälisches Ehepaar verschwindet. Doch die Spur führt Richard Altuinger, der Sonderermittler aus Wien, der schon im ersten Kriminalroman von Eva Reichmann eine Rolle gespielt hatte, nach Bielefeld. Mit am Fall arbeiten sein Bielefelder Kollege Kurt Godejohann und der sauerländische Ermittler Wolf Mendelsohn.
»Bielefeld ist eigentlich ganz schön«, sagt Reichmann, gibt aber zu, sich in der Stadt noch immer ein wenig fremd zu fühlen. Wie ihr Protagonist Altinger. Der sieht den ostwestfälischen Alltag mit Verwunderung — gelegentlich mit Bestürzung. Eva Reichmann lässt gern unterschiedliche Mentalitäten aufeinander prallen. »Lippischer Pickert und Wurstebrei stellen, was die Integration von österreichern in Ostwestfalen-Lippe angeht, unüberwindbare Hindernisse dar«, sagt sie. Die gebürtige Salzburgerin sorgt mit dem ironischen Blick der »Auswärtigen« dafür, dass es reichlich Lokalkolorit gibt — vom Ostwestfalendamm über »absolut unsinnige Ampelschaltungen« bis hin zu Kommissar Godejohann, »der eigentlich keine österreicher mochte, seit er einmal mit einem Ungarn zu tun gehabt hatte«. Der Thriller hat freilich einen ernsten Hintergrund: Die Verbrechen der Gegenwart stehen in Verbindung mit der jüdischen Vergangenheit Bielefelds.
Reichmann ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, Charaktere über die Klinge springen zu lassen. »Diesmal sind es fünf Hauptopfer, also solche, um die es schade ist«, sagt die 43-Jährige lachend.

Neue Westfälische,
Bielefelder Tageblatt
vom 15.12.2005


Die Figuren entstehen erst beim Schreiben
Eva Reichmann legt zweiten Bielefeld-Krimi vor
von Sabine Schulze
Die erste Begegnung mit Wurstebrei war für Eva Reichmann eine Art Kulturschock. Was sie da nichtsahnend gräulich in der Auslage eines Bielefelder Fleischers liegen sah, schien ihr das Stadium der Genießbarkeit weit hinter sich gelassen zu haben. 25 Jahre ist das her, und noch immer isst die gebürtige österreicherin keinen Wurstebrei. An ihrem Blick »von außen« lässt sie die Bielefelder (und alle anderen) aber teilhaben: in Form eines Krimis.
»Schönheitskorrekturen« heißt ihr zweites Buch, das soeben bei der dahlemer verlagsanstalt erschienen ist. Es spielt in Südafrika, österreich — und eben Bielefeld. »Und für den Blick von außen sorgt Richard Altinger, Sonderermittler aus Wien«, erklärt die Autorin. Um den Kripomann, den sie in ihrem Erstling eingeführt hat, an den Teutoburger Wald zu locken, lässt Eva Reichmann ein österreichisches Ehepaar mit Wohnsitz in Ostwestfalen während seines Urlaubs in Südafrika verschwinden. Gemeinsam mit seinem Bielefelder Kollegen Kurt Godejohann, dem Kriminalkommissar Wolf Mendelsohn aus dem Sauerland und dem Postenkommandanten Georg Krallinger aus Fuschl löst Altinger den Fall, der in dunkle Vergangenheit zurückreicht und in dem sich diverse Mordfälle verknüpfen.
Bielefelder werden die eine oder andere »Location« vielleicht erkennen: Sparrenburg und Altstadt, Polizeipräsidium und Städtische Kliniken, Hoberge, die eine oder andere Kneipe und das Stadtarchiv, das auch Eva Reichmann für ihre Recherchen genutzt hat.
Auch wenn die 43-Jährige in ihrem Buch über Leichen geht, findet sie sich nicht mörderisch. »Bis ich mein erstes Buch »Kalter Grund« geschrieben hatte, habe ich keine Krimis gelesen«, erzählt sie. Das sieht heute allerdings anders aus: Man muss ja wissen, was die Kollegen so machen. Und weil sie auf den Geschmack gekommen ist, ist ihr drittes Buch bereits in Arbeit. Es wird um einen Fleischskandal in ihrer österreichischen Heimat gehen.

Nach Bielefeld hat es die gebürtige Salzburgerin des Studiums und der Liebe wegen verschlagen: »Ich wollte unbedingt in Deutschland studieren, und als ich kurz vor dem Abitur einen Mann kennen lernte, der hier am Stadttheater engagiert war, habe ich das Studium eben in Bielefeld aufgenommen.« Sie widmete sich den Literaturwissenschaften, der Geschichte und Germanistik, promovierte, arbeitete freiberuflich und ist seit anderthalb Jahren wieder an der Universität im Arbeitsbereich Berufsorientierung und Schlüsselkompetenzen tätig.
Zum Schreiben kommt sie vor allem am Wochenende. Wild entschlossen ist sie daher, die Weihnachtstage zu nutzen, um ihr drittes Buch voranzubringen.
Ihre Figuren legt sie nicht vorab fest: »Sie wabern eher diffus durch meinen Kopf und nehmen erst beim Schreiben Gestalt an.« Damit sie dabei nichts durcheinander bringt und aus einem kleinen Dicken kein großer Hagerer wird, hält Eva Reichmann ihre Charakteristika dann auf Zettelchen fest.
»Schönheitskorrekturen« (für 19 Euro zu erstehen) hat sie am Donnerstagabend in einer Lesung im Antiquariat Librarium, Jöllenbecker Straße, vorgestellt. Dabei hat sie allerdings nicht selbst gelesen, sondern die Unterstützung der Schauspielerin Barbara Michl erhalten. »Ich lese nämlich im ICE-Tempo«, lacht sie.

Neue Westfälische,
Bielefelder Tageblatt
vom 17.12.2005


Das Treffen in Bielefeld
von Ditta Rudle
Nach dem Auschecken aus dem Hotel im südafrikanischen Nelspruit ist ein Ehepaar spurlos verschwunden. Die Burgstallers lebten zwar in Deutschland, hatten jedoch österreichische Pässe, also wird ein österreichischer Ermittler nach Südafrika gesandt. Altinger findet die beiden zwar nicht, dafür aber einen alten Herrn, der von der Aussichtsplattform einer Lodge gestürzt ist. Ungefähr zur selben Zeit wird am Fuschlsee eine Drachenfliegerin abgeschossen und in einer deutschen Schönheitsklinik stirbt deren Mutter an einer Luftembolie. Auch das war Mord, stellt sich bald heraus. Ermittelt wird hier und dort, immer deutlicher führen die Spuren nach Bielefeld. So zieht es die Kriminalisten aus österreich und Deutschland dort hin, wo sich die losen Fäden zusammenknoten und auch wieder entwirren lassen. Vorher muss aber noch ein Auto samt Insassin explodieren, ein Schmuckdieb an einer vergifteten Mohntorte sterben und der Altinger fast erstochen werden. Hinter all den Verbrechen steckt weder die Mafia, noch eine antisemitische Verschwörung, auch wenn es zeitweise so aussieht, sondern das übliche: gelber Neid und schwarze Habgier.

Weil Vergangenheitsaufarbeitung als Garnierung für die Konstruktion nicht reicht, ist es der Autorin - geboren in Salzburg und seit 20 Jahren in Deutschland lebend - ein Anliegen (»Antriebsmotor« sagt der Verlag), ihre Kenntnis beider Sprachen (Deutsch und Deutsch) und der unterschiedlichen Mentalitäten satirisch auszuschlachten. Das wäre ein hübscher Gag, würde er besser umgesetzt. Würde nicht in Wien gebackener Wels mit Sauce und Braterdäpfeln gegessen, würde nicht vom einfachen Gendarmeriepostenkommandanten im Salzkammergut dasselbe Dialekt-Lexikon von A bis Z akribisch ausgebeutet wie vom Wiener Sonderermittler. Und damit auch die Deutschen Kommissare Lokalkolorit verbreiten, muss der Ostwestfäler Kriminalist Godejohann die ungeliebten Nachbarn mit einem wenig appetitlichen Ausdruck titulieren, der laut Anmerkung ein süddeutscher ist. Apropos Anmerkungen. Die sollen wohl Authentizität vermitteln und daran erinnern, dass die Autorin Germanistin ist und acht Jahre an der Universität Bielefeld gelehrt und geforscht hat. Fazit: Herkömmlicher Krimi, garniert mit Vergangenheitsaufarbeitung und klischeehafter Ausbeutung der Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich.

Buchkultur August / September 2006 (Ausgabe 106)



Die Figuren machen, was sie wollen
Eva Reichmann stellt ihren zweiten Krimi »Schönheitskorrekturen« in Bielefeld vor
von Maria Frickenstein
Sie nahmen Platz, auf Bücherkisten, Stühlen und Bänken, bis auch der letzte Hocker vergeben war und die Autorin gar selbst ein Fleckchen zum Sitzen fand. Im Antiquariat »Librarium« stellte die 43-jährige österreicherin und in Bielefeld lebende Autorin ihren zweiten Krimi »Schönheitskorrekturen« vor.
Wie vieldeutig der Titel sein kann, erfährt das Publikum bei der Lesung selbstverständlich noch nicht. Dient doch nicht jede Schönheitskorrektur zwangsläufig der besseren Befindlichkeit und wenn, bleibt die Frage, für wen und für wie lange? Eva Reichmann legt die Geschichte ihres druckfrischen Krimis raffiniert und in mehreren Erzählsträngen an. Wie alles geschieht, erfährt der Leser gleich auf der ersten Seite, als straff inszenierter Auftakt für 300 Seiten gute Unterhaltung. Welche Motivation hinter dem Mordfall steckt, entwickelt Reichmann peu à peu. Dabei kommt sie humorvoll daher wie beim »Mohntortenmord«, scheut aber auch keine ernsten Themen wie jüdische Kindertransporte nach Südafrika.
Es ist Reichmanns wohldosierte Mischung aus Spannung, Spiel und Witz, die den Krimi nährt und damit auch die Lesenden. In Südafrika beginnt die Geschichte und weil ein österreichisches Ehepaar vermisst wird, schaltet Penka, Urgestein der österreichischen Kriminalpolizei, seinen Sonderermittler Richard Altinger ein. Altinger mischte bereits in Reichmanns Erstlingswerk »Kalter Grund« mit. Auch der Sauerländer Kommissar Wolf Mendelsohn muss in einem Fall ermitteln. Zudem gibt es Verbindungen zum ostwestfälischen Bielefeld, wo Kommissar Kurt Godejohann »ein Strichmännchen in Lederhosen« in seinen Kalender malt, seine Art, ein Treffen mit Altinger zu planen.
»Die Figuren machen ja, was sie wollen, sind morgens beim Aufstehen da, fangen an zu quengeln, wenn ich länger nicht zum Schreiben komme«, sagt Eva Reichmann. Denn seit sie hauptberuflich an der Universität arbeitet, bleibt wenig Zeit. Beim Schreiben selbst ist Planen nicht ihre Sache. Die Geschichte entwickelt sich im Zuge des Schreibens selbst. »Mein Kopf ist wie ein Kalksteingebirge«, lacht die gut gelaunte quirlige Autorin, »oben regnet’s immer wieder drauf und irgendwann kommt unten dabei etwas heraus.«
Humor beweist die österreicherin auch in vielen Szenen ihres Romans. Witzig kehrt sie die Sonderbarkeiten des österreichischen Dialekts heraus, gibt ihren Figuren dosiert Marotten oder einfach nur Charme mit Lokalkolorit. Dann dürfen sie über alles meckern, über die Rechtschreibfehler der Lokalzeitung oder die Schrullen eines deutsch-österreichischen Vereins. Ihren Text gab sie an diesem Abend zum Lesen in die Hände der Schauspielerin Barbara Michl. Mancher kennt sie vielleicht aus ihrer Zeit beim Bielefelder Stadttheater, wo sie 1980 und 1984 schon einmal als Mörderin auf der Bühne agierte. Auch wenn die Autorin leider nicht selbst las, konnte doch jeder sehen: Das Schreiben steht ihr sichtlich gut. Neue Westfälische Zeitung, 16. Dezember 2005